| Mord in Hamburg |
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| Friday, 23 May 2008 | |
"Gewalt prägte das Leben des Täters"Ein Mord an der eigenen Schwester, weil sie sich von der Familie entfernt habe: Aus Sicht von Religionswissenschaftler Rafiq Shirdel ist die Bluttat "aufs Schärfste zu verurteilen. Gewalt ist niemals eine Lösung", betont der Koordinator der Organisation "Netzwerk Afghanistan Info Hamburg". Insgesamt sei die Kriminalitätsrate unter den Afghanen in Hamburg sehr niedrig, sagt der 51 Jahre alte gebürtige Afghane, der seit 28 Jahren in Hamburg lebt und einen deutschen Pass hat. Doch ganz anders verhalte es sich bei Ahmad O.: "Er ist seit Jahren immer wieder in Schlägereien verwickelt gewesen." Zudem habe er keine vernünftige Schulbildung erfahren. Vor dem Hintergrund dieser Persönlichkeit müsse auch das Verbrechen betrachtet werden. In den ersten zehn Jahren von Ahmad O.s Leben, die der heute 23-Jährige in Afghanistan verbrachte, "war die Zeit dort von Waffen und Gewalt geprägt", so Shirdel. Wenn Menschen dieser Generation schließlich nach langer Zeit, die sie unter anderem in Flüchtlingslagern verbracht haben, dann in Hamburg ein sogenanntes "normales" Leben führen sollen, "ist das für viele ein Schock. Sie haben Probleme mit den Schulen, mit den Behörden, mit dem alltäglichen Leben". Für Afghanen gebe es drei unterschiedliche "Generationen", die eine unterschiedliche Auffassung von Ehre hätten, erklärt Shirdel. Zunächst sei da die Generation, die von der Zeit vor dem Krieg in Afghanistan geprägt sei. "Für sie bedeutet der Begriff Ehre, in Frieden zu leben, die Familie zu schützen und den Unterhalt für die Familie zu verdienen." Dagegen bedeute der Ehrbegriff für die Generation, die während des Krieges in Afghanistan aufgewachsen ist, dass jeder für sich kämpfen, sein Land befreien und seine Familie retten solle. Und schließlich sei da die Generation aus der Zeit nach dem Krieg. Für sie sei es im Sinne der Ehre, ihre Familie zu beherrschen. "Die Eltern waren oft nicht im Lande, und die Söhne übernahmen die Rolle des Vaters." So verböten sie beispielsweise ihren Schwestern, Musik zu hören oder schwimmen zu gehen. Als Morsal sich von ihrer Familie entfernt habe, "wussten die Eltern nicht, wo sie Hilfe finden sollen", sagt Shirdel. "Der Vater hat sich geschämt, weil er glaubte, als Erzieher versagt zu haben." Es wäre wichtig gewesen, dass auch die Angehörigen Beratung erfahren. "Dass Ahmad O. von seiner Schwester verlangte, weite Kleidung zu tragen, bei der keine Haut zu sehen ist, und er sich selber westlich kleidete und offenbar auch Alkohol trank, ist nichts Außergewöhnliches", erklärt der Religionswissenschaftler. In Afghanistan herrsche die Ansicht, dass Männer alles dürften, Frauen müssten sich dagegen strengsten Regeln unterziehen.
Quelle: www.abendblatt.de
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