Menu Content/Inhalt
Home - Start arrow Home - Start arrow Afghanistan: Amerikanische Drohkulisse im Grenzgebiet
Afghanistan: Amerikanische Drohkulisse im Grenzgebiet Drucken E-Mail
Wednesday, 18 June 2008
17.06.2008 - Der afghanische Präsident Karsai drohte Pakistan mit Militäroperationen – schickten ihn die USA vor?

Neu Delhi. Es dauerte nicht lange, bis auf die Drohung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, seine Land werde islamistische Fanatiker auch in Pakistan bekämpfen, Taten folgten: Bereits zu Wochenbeginn drangen zwei Hubschrauber der US-geführten Truppen in Afghanistan in die pakistanische Region Landi Kotal im Nordwesten ein und versetzten die Menschen dort in Panik.

Die US-Hubschrauber seien weit über pakistanisches Gebiet geflogen und hätten rund zehn Minuten über der Grenzregion gekreist, berichtete die pakistanische Tageszeitung „Dawn“. Es war das erste Mal, dass amerikanische Militärhubschrauber in dieser Region gesehen wurden.

Anwohner berichteten, seit dem US-Angriff auf Ziele im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vor einer Woche, bei dem elf pakistanische Soldaten starben, seien ständig Aufklärungsflugzeuge über der Region. Die Drohkulisse gegen die neue Regierung in Islamabad nimmt Formen an.

Die Vorlage für Karsais Äußerungen vom Wochenende hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates geliefert. Er kritisierte bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel die Friedensgespräche, die Pakistans neue Regierung mit den Stammes- und Islamistenmilizen aufgenommen hat. Gates fügte hinzu, die USA wollten der Regierung in Islamabad Zeit geben, „um sich selbst ein Bild von der Lage“ zu machen.


Rückzugsraum für Taliban

„Es ist das Land der Pakistaner und wir müssen ihnen die Chance geben, zu versuchen, in der Weise mit dem Problem fertig zu werden, die sie selbst für richtig halten.“ Doch die USA würden „da sein“, falls die neue Regierung entscheide, dass „mehr getan werden muss“. Die Gebiete im Nordwesten Pakistans, hauptsächlich unbewohnte Gebirgszüge, nutzen die Taliban und Anhänger anderer Islamistenmilizen bereits seit Jahren als Rückzugsraum für ihre Gefechte gegen die Nato-geführte Internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF).

Washington wirft Pakistan schon lange vor, nicht entschieden genug gegen die Radikalislamisten auf seinem Gebiet vorzugehen. Dementsprechend erklärte US-Präsident George W. Bush zu Wochenbeginn in London, Pakistan und Afghanistan müssten besser zusammenarbeiten. Auf die Frage, ob er Karsais offene Drohung gegen Pakistan unterstütze, wich Bush aus. Aber, fuhr er fort, die USA könnten zwischen den Nachbarländern vermitteln. Das einzige Ziel der US-Truppen sei es, Extremisten zu bekämpfen, die Unschuldige töten. „Das ist das Ziel in Afghanistan – und es muss auch das Ziel von Pakistan sein.“

Pakistans Außenminister Shah Mehmood Qureshi erwiderte in Islamabad, er wolle „absolut klarmachen“, dass Pakistan seine territoriale Souveränität verteidigen werde. Karsais Äußerungen kritisierte er als „unverantwortlich“.


„Starker Protest“ Islamabads

Nach Karsais Erklärungen wurde der afghanische Botschafter in Islamabad ins Außenamt bestellt. „Es wurde starker Protest eingelegt wegen der Aussagen von Präsident Karsai“, sagte Außenamtssprecher Mohammad Sadiq dem Fernsehsender „Geo TV“.

Pakistanische Analytiker wiederum erklärten, Präsident Karsai habe mit seiner Drohung lediglich wiederholt, was US-Vertreter seit längerer Zeit forderten: amerikanische Militäroperationen in Pakistan. Die afghanische Armee könne nicht ohne Unterstützung von den USA und Nato handeln, sagte Rustam Shah Mohmand, einst pakistanischer Botschafter in Kabul.

 
< zurück   weiter >