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Afghanistan: Polen offiziell wegen Völkermord angeklagt Drucken E-Mail
Friday, 11 July 2008
9. Juli 2008 - Nachdem erst vor wenigen Wochen die in einem Posener Militärgefängnis einsitzenden polnischen Militärangehörigen, welche in Nangar Khel/Afganistan unschuldige Zivilisten getötet haben sollen, unerwartet entlassen wurden, kam ihnen jetzt ebenso überraschend die Anklageschrift ins Haus. Diese Lautet auf gemeinschaftlichen "Völkermord" und hierfür sieht das polnische Gesetzbuch eine lebenslange Haftstrafe vor. Der Posener Militärstaatsanwaltschaft General Zbigniew Woźniak trägt dem Gericht vor, dass die nun angeklagten Soldaten kaltblütig die Bewohner eines ganzen Dorfes ausgelöscht haben sollen. "Sie wussten dass sie Zivilisten angreifen, trotzdem haben sie den Mörser auf das Dorf gerichtet, gemütlich die passende Munition geladen und dann gefeuert. Kaltblütig und in vollem Bewussein haben sie 6 Menschen getötet, hierunter drei Kinder und ein frischgetrautes Ehepaar, sowie eine weitere Frau. 3 andere Zivilisten, hierunter eine Schwangere die ihr ungeborenes Kind bei dem Angriff verlor, wurden schwer verlezt. Insgesamt hat man 8 Mörsergeschosse auf Nangar Khel abgefeuert. Der Soldat Damian L. hat sogar noch mit seinem Gewehr 38 mal sinnlos in Richtung des Dorfes gefeuert und ist dann vor Erschöpfung umgefallen" - klagt die Staatsanwaltschaft.

 

In einem Untersuchungsbericht zu den Taten von Nangar Khel gibt es kaum Entlastendes für die angeklagten Soldaten zu finden. Ein polnischer Offizier sagte sogar aus, dass er kurz nach der Tat mit einem Bergungstrupp in Nangar Khel eingetroffen sei und die Kommandantur über Funk von der Tragödie berichtet habe, doch statt irgendwelche Worte des Bedauerns oder klare Anweisungen zu einer Hilfsaktion zu vernehmen, bekam er nur eine sehr makabre Antwort: "Sag uns wie das Dorf heisst, damit wir es von der Landkarte streichen können". Die Rechtsanwälte der Angeklagten behaupten dass sich in dem zerstörten Dorf Taliban aufgehalten haben sollen, hierzu gebe es Beweise welche die Amerikaner bereits geliefert hätten. Sie fordern die Zurückweisung der Anklage, sowie einen gerichtlichen Lokaltermin In Afghanistan und bestehen darauf dass ihre Mandanten unschuldig seien. Die Verteidiger der Todesschützen haben allerdings mit ihren Argumenten bisher wenig Glück bei der Staatsanwaltschaft. Hatten sie doch erst kürzlich behauptet dass die Killer-Mörser mit der Bezeichnung "LM 60 D" sehr ungenau treffen und man eigentlich nur die Menschen aus den Häusern scheuchen wollte. Dies widerlegte allerdings der Untersuchungsbericht mit den durch die Schützen per Computer exakt eingegeben Koordinaten der Häuser in Nangar Khel .

Die Staatsanwaltschaft hat die Vorladung von über 100 Zeugen zum Gerichtstermin beantragt. Insgesamt werden 19 Soldaten und einige Offiziere vom militärischen Abwehrdienst auf der Anklagebank sitzen, die nichts anderes zu tun hatten wie die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen zu erschweren. Die vermeintlichen Morde fielen in die Zeit der Kaczynski Regierung, wofür sich eigentlich auch der damalige Verteidigungsminister Szyglo verantworten müsste, doch der ist "noch" durch seine Immunität geschützt.

 
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