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Der Abstieg des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai Drucken E-Mail
Dienstag, 05 August 2008

Barack Obama: Karsai größte Enttäuschung Afghanistans 

05.08.2008 - Karsai wurde bisher die Rückendeckung aus Washington noch nicht entzogen. Aber Barack Obama beschrieb jüngst den Präsidenten Karsai ohne Blatt vor dem Mund als Afghanistans größte Enttäuschung.

Was ist nur aus Hamid Karsai geworden, dem rettenden Engel für Afghanistan? Wie konnte es passieren, dass der einstige politische Superstar, der Liebling internationaler Medien und Washingtons „golden boy“ so viel an Glanz eingebüßt hat?

Ich erinnere mich gut an die ersten internationalen Auftritte des eleganten Paschtunen, der die Fellmütze und den spinatgrünen Seidenumhang mit mehr Grazie trug, als andere Präsidenten ihren Smoking. Der verhältnismäßig kleine Mann hatte eine solch umwerfende Ausstrahlung, dass selbst hart gesottene Kolleginnen bei internationalen Afghanistan-Konferenzen zu schwärmenden Teenagern mutierten. Auch ich war ein Fan.

Ich bin es noch, doch die einstige Bewunderung ist in Mitleid umgeschlagen. Kaum ein Politiker dieser Erde hat schlechtere Karten, hat einen so hoffnungslosen Job wie Hamid Karsai. Der Mann hat sein umkämpftes Land nicht im Griff, sein Wort hat zu wenig Gewicht und seine Regierung erntet schlechte Noten. Ohne viel Geld und mit – immer noch zu wenigen – Soldaten und ganzen Kompanien an Personenschützern aus dem Ausland wäre er schon lange gestürzt oder tot. Seine größte Leistung bleibt, bisher im Amt überlebt zu haben.

Vom Mann der Zukunft zur hilflosen Marionette

Westliche Politiker und Berater haben ihm vieles versprochen und ihn dann doch mit seinen größten Problemen im Palast sich selbst überlassen. Hamid allein zu Hause. Die Welt fand neue Bösewichte in anderen Ecken des Globus und vergaß und unterschätzte dabei den alten Feind von Stabilität in Afghanistan, die Taliban. Und die sind nur einer der Gegner Karsais, wenn auch der schlimmste.

Anfangs war der Präsident von George W.’s Gnaden vielen zu autoritär. Heute gilt er als zu schwach, weil er seine Autorität nicht mit allen Mitteln durchgesetzt hat. Man tuschelt, dass er Drogenhändler in den Reihen der Regierung zu frei schalten und walten lässt. Es ist allerdings wohlfeil, aus dem warmen Wohnzimmer mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, auf den unter jeder Türschwelle die nächste Bombe warten kann.

Vom Mann der Zukunft zur hilflosen westlichen Marionette, vom Demokratiesymbol zur lahmen Ente, vom Sexsymbol zum Weichei – was für ein Abstieg! Karsai hält bisher im Amt, dass ihm die Rückendeckung aus Washington noch nicht entzogen wurde. Aber Barack Obama beschrieb jüngst den Präsidenten Karsai ohne Blatt vor dem Mund als Afghanistans größte Enttäuschung. So wird ein Hoffnungsträger plötzlich zur größten Bedrohung des anderen.

 
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