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18.01.09 gxs/AFP - Bei einem Selbstmordattentat vor der deutschen Botschaft in Kabul sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Die deutsche Botschaft befindet sich im Stadtteil Wasir Akbar Chan, der nicht so hermetisch abgeriegelt ist wie die „Grüne Zone“ in Bagdad.
Die Explosion war gewaltig, als sich der Selbstmordattentäter am Samstagmorgen auf der belebten Straße vor der deutschen Botschaft in Kabul in einem Kleinlaster in die Luft sprengte. Mindestens vier Afghanen sowie ein US-Soldat riss der Täter mit sich in den Tod. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, darunter drei Botschaftsmitarbeiter. Es war der erste Selbstmordanschlag der Taliban in Kabul in diesem Jahr und einer der bisher spektakulärsten gegen Deutsche in Afghanistan.
Die deutsche Botschaft befindet sich wie viele andere diplomatische Vertretungen im Viertel Wasir Akbar Chan. Der vornehme Stadtteil der afghanischen Hauptstadt ist nicht ganz so hermetisch abgeriegelt wie die „Grüne Zone“ in Bagdad. Doch mit zahlreichen Straßensperren und Checkpoints versuchen die afghanischen Sicherheitskräfte, den Passanten- und Autofluss zu regeln.
Nach der Explosion herrschte vor dem Haupttor der deutschen Vertretung das Chaos. Ein Müllwagen und zwei weitere Fahrzeuge fingen Feuer, das Auto des Attentäters brannte völlig aus. Mit Gewehren bewaffnete afghanische Sicherheitskräfte versuchten, Schaulustige zu vertreiben und den Einsatz der herbeirasenden Krankenwagen zu koordinieren.
Die Toten, unter ihnen ein Kind, wurden auf Bahren abtransportiert, die Verletzten teilweise auf offenen Kleinlastern zum nächsten Hospital gefahren. Drei Botschaftsmitarbeiter wurden verletzt, unter ihnen ein Deutscher. Durch die Explosion zerbarsten zahlreiche Panzer-Fensterscheiben der Botschaft und der umliegenden Gebäude. Auf der Straßenseite gegenüber der Botschaft befinden sich ein mit Sandsäcken und Stacheldraht abgesichertes UN-Büro sowie das Camp Eggers, der größte US-Militärstützpunkt in Kabul.
Nicht restlos geklärt war die Frage, wen der Attentäter treffen wollte: die Botschaft oder das Camp. Die Äußerungen des Taliban-Sprechers Sabihullah Mudschahed wiesen darauf hin, dass Deutschland Ziel des Anschlags war. Der Selbstmordattentäter habe zwei Fahrzeuge der deutschen Botschaft treffen wollen, sagte Mudschahed.
Dass sich Deutschland im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus befindet, wurde auch durch ein neues Drohvideo deutlich. In dem 30-minütigen Video des Terrornetzwerkes El Kaida ist ein deutsch sprechender Mann zu sehen, der sagt, die Deutschen wären „leichtgläubig und naiv“, wenn sie meinten, in Afghanistan als drittgrößter Truppensteller „ungeschoren“ davon zu kommen.
Die deutsche Botschaft erhöhte im vergangenen Jahr die Sicherheitsmaßnahmen drastisch. Erst kürzlich installierten Mitarbeiter einen Zaun aus weiß-roten Metallpollern an der Straße. Davor wurde ein schmaler Graben ausgehoben – um Autos möglichst in weitem Abstand von den dicken Mauern des Botschaftsgeländes zu halten.
Wer das Gelände als Besucher betreten will, muss an bewaffneten Sicherheitskräften vorbei eine Schleuse im Wachhäuschen passieren. Autos, auch die Botschaftsfahrzeuge, werden gründlich durchsucht. Mit Spiegeln wird nach möglicherweise an der Unterseite versteckten Bomben gesucht.
Auf dem weitläufigen Gelände selbst steht ein schmuckloses Bürogebäude, in dem die rund 60 Mitarbeiter unter Botschafter Werner Hans Lauk tagsüber arbeiten. Ein sorgsam gepflegter Rasen, viele Blumenkästen im Sommer und eine überdachte Veranda sollen ein bisschen deutsche Heimeligkeit in das staubüberzogene Kabul bringen. Doch an die Gefahren wird ständig erinnert: An der Eingangstür des Bürokomplexes hängt eine Gedenktafel für die drei im Sommer 2007 bei einem Anschlag getöteten BKA-Beamten. Lauk, der seit Mitte 2008 Botschafter in Kabul ist, wohnt in seiner Residenz direkt neben den Büros. Seit einigen Monaten müssen auch alle Mitarbeiter in einem eigens erbauten Apartementkomplex auf dem Botschaftsgelände wohnen. Sie mussten ihre Häuser in der Stadt aufgeben – das Sicherheitsrisiko wurde als zu hoch eingeschätzt. |