| "Viele Afghanen schämen sich dafür" |
|
|
| Monday, 16 February 2009 | |
|
16.02.09 - Morsal: Emigranten-Verband (www.Netzwerk-Afghanistan.info) verurteilt die Ausschreitungen im Gerichtssaal Die Ausschreitungen und Beschimpfungen während des Urteils sind dem Gründer des Emigranten-Verbandes "Netzwerk Afghanistan Info", Rafiq Shirdel, unangenehm. "Ich möchte mich beim Richter, dem Staatsanwalt und den Hamburgern für die heftigen Reaktionen der Familie des Angeklagten entschuldigen", sagte Shirdel dem Abendblatt. "Ich weiß, dass sich viele Afghanen dafür schämen." Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat das Urteil gegen Ahmad-Sobair Obeidi (24) begrüßt. "Ich bin froh, dass der Richter nicht auf Totschlag erkannte, sondern die volle Härte des Gesetzes den Angeklagten hat spüren lassen", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek. Obeidi war für die tödliche Messerattacke auf seine Schwester Morsal (16) wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das hatte im Gerichtssaal zu Tumulten unter den Angehörigen geführt. Der 24-Jährige habe die Religion vorgeschoben und sich mildernde Umstände erhofft. "Gott sei Dank ist der Richter nicht darauf hereingefallen." "Wir dichten sehr viel Islam in Sachen hinein, wo er eigentlich gar nicht hingehört", sagte Aiman Mazyek auf NDR Info. "Es gibt nicht den leisesten Verdacht, dass Mord aus Ehre oder sonstigen Gründen zu rechtfertigen ist. Mord bleibt Mord." Der Verweis auf die unterschiedlichen Kulturen sei lediglich eine vorgeschobene Argumentation gewesen. Es sei wichtig, den Täter und die Tat als solche zu beschreiben und nicht zu versuchen, Religion als Begründung heranzuziehen. "Die Staatsanwaltschaft hat ja nicht umsonst gesagt, dass sie den Begriff Ehrenmord hier an dieser Stelle fehl am Platz oder nicht richtig findet", sagt Mazyek. Die Ausschreitungen und Beschimpfungen während des Urteils sind dem Gründer des Emigranten-Verbandes "Netzwerk Afghanistan Info", Rafiq Shirdel, unangenehm. "Ich möchte mich beim Richter, dem Staatsanwalt und den Hamburgern für die heftigen Reaktionen der Familie des Angeklagten entschuldigen", sagte Shirdel dem Abendblatt. "Ich weiß, dass sich viele Afghanen dafür schämen." Ahmad-Sobair Obeidi hatte den Staatsanwalt nach dem Schuldspruch beschimpft. Familienmitglieder schrien während der Urteilsbegründung und schlugen gegen die gläserne Absperrung zwischen Zuschauern und dem Angeklagten. "Man kann Richter und Staatsanwälte nicht beschimpfen, wenn man mit dem Urteil nicht einverstanden ist", sagt Rafiq Shirdel. "Es gibt in diesem Fall rechtliche Wege, die man einschlagen kann." Shirdel befürchtet darüber hinaus, dass die Tumulte negative Auswirkungen darauf haben könnten, wie die in Deutschland lebenden Afghanen angesehen werden. Allerdings bezeichnet er die Ansprache des Richters an die Eltern des Mörders als "überflüssig". Dieser sagte, dass die Eltern "eine hohe moralische Mitschuld" treffe. Sie hätten ihren Sohn möglicherweise "zum Vollstrecker ihrer Erziehungsmethoden" gemacht. "Das hat viele Afghanen beleidigt. Sie nehmen das persönlich", sagt Shirdel. Er hält die Integration in Deutschland für gescheitert. "Es fehlt auf beiden Seiten die Bereitschaft dazu." Das Urteil empfindet Shirdel jedoch als zu hart und bezeichnet es als "politisch". "Die Tat war nicht geplant", vermutet er. Quelle: abendblatt.de
|
| < zurück | weiter > |
|---|


