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Thursday, 26 February 2009

Die Lage in Afghanistan

25.02.09 - Was haben sie nicht alles über Afghanistan erzählt, die Generäle und Verteidigungsminister der Nato. Dutzende von Kommandeuren der radikalislamischen Talibanmilizen wurden laut der Internationalen Schutztruppe ISAF schon im Jahr 2007 getötet. Der deutsche Stabschef, General Bruno Kasdorf, gab angeblich im selben Jahr den Befehl an die ausländischen Truppen, mehr Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen. Seltsam, dass nach seiner Heimkehr laut den Vereinten Nationen die Zahl der zivilen Opfer im Jahr 2008 um 31 Prozent auf über 2000 anstieg und davon 39 Prozent auf das Konto ausländischer und afghanischer Truppen gingen.

Seltsam auch, dass nach all den vermeintlichen Erfolgen nach Aussage eines US-Generals während der vergangenen Monate mehr Gotteskrieger am Hindukusch überwinterten als je seit 2001 - und es auch mehr Angriffe gab.

Man braucht sich schon gar nicht mehr zu wundern, dass er diese Attacken zwar spektakulär, aber "militärisch unbedeutend" nannte - so nebensächlich wahrscheinlich wie die Blockaden des Nachschubs in Pakistan oder die Befreiung von Hunderten von Gefangenen aus einem Gefängnis in Kandahar im vergangenen Jahr.

Die meisten Generäle mögen ein Kurzzeitgedächtnis besitzen, das nicht weiter zurückreicht, als die Dauer ihres maximal einjährigen Einsatzes. Wer sich aber an die vielen Märchen erinnert, wird General David D. McKiernan, dem Kommandeur der Nato-Streitkräfte am Hindukusch, kein Wort glauben, wenn er sagt, im Süden Afghanistans hätten Tausende von ausländischen Soldaten und die afghanische Armee "bestenfalls ein Patt" gegen die radikalislamischen Milizen erkämpft. Die Wirklichkeit sieht möglicherweise noch viel düsterer aus.

Nun hat US-Präsident Barack Obama verkündet, er werde dem Hindukusch die Priorität einräumen und vieles anders und besser über die Bühne bringen als sein Vorgänger George W. Bush. Aber die erste Entscheidung des neuen Mannes im Weißen Haus in Sachen Afghanistan steht treu in der Tradition der vergangenen acht Jahre.

Er verkauft halbe Sachen als wegweisende Schritte. Er will 17 000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken, obwohl Militärs und andere Fachleute schon seit Oktober des vergangenen Jahres predigen, 30 000 Mann seien das mindeste, was benötigt würde, um am Hindukusch etwas zu ändern. Seine Nato-Partner werden die Lücke kaum füllen.

Noch ist kein Kompromiss zwischen den Kriegsparteien absehbar. Gegenwärtig sterben Tausende, weil erst auf blutige Art geklärt muss, auf welchem Kräfteverhältnis ein irgendwann fälliger Dialog aufbauen soll oder kann. Die Talibanmilizen sind überzeugt, sie könnten die Balance noch stärker als bislang zu ihren Gunsten verändern. Obamas Entscheidung, nur 17 000 statt der geforderten und nötigen 30 000 zusätzlichen Soldaten zu schicken, fördert dieses Selbstbewusstsein.

Quelle: www.general-anzeiger-bonn.de

 
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