| ANALYSE: Krieg ohne Sieger |
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| Thursday, 26 February 2009 | |
In Afghanistan werden nicht nur mehr Soldaten gebraucht – auch die Ziele der Mission müssen ganz neu definiert werden.Die Kriege im Irak und in Afghanistan sind aus vielen Gründen schwer vergleichbar. Einer der wichtigsten Unterschiede wird dabei oft übersehen: Der Irak-Krieg wurde gegen Warnungen und Widerstand begonnen. Der Krieg in Afghanistan war dagegen unumstritten und verfügt über eine UN-Mandatierung. Für den Sturz des menschenverachtenden Taliban-Regimes gab es eine Art globalen Konsens. Die schnellen Scheinsiege, die bald folgten, bestätigten die allgemeine Zustimmung und den Optimismus. Jetzt, im achten Kriegsjahr, ist der Konsens zerstört und der Optimismus auch. Keiner weiß, wie es in dem verfahrenen Krieg weitergehen soll. Der Rückblick auf die Ausgangslage dieser Kriege wirft auch heute noch Fragen auf: Die bequeme gedankliche Position nämlich, man habe das Unglück ja vorausgesehen, man habe die Amerikaner ja gewarnt und könne ihnen in ihrem selbst verschuldeten Schlamassel nicht helfen, steht nur im Fall Irak zur Verfügung – und ist vielleicht auch dort fragwürdig und kurzsichtig. Afghanistan dagegen war nie ein „amerikanischer“ Krieg, es war immer eine internationale Operation, ideell, aber auch militärisch. Wegschauen war und ist keine Option.Das gilt durch die Einbindung der Nato und die Bundeswehrtruppen auch ganz praktisch. Doch bislang war dieses Engagement in jeder Hinsicht begrenzt. Die Bundeswehr hat zwar Kosten, Risiken und Verluste in Kauf genommen, aber sie hat auch sichergestellt, nicht an vorderster Front zu kämpfen. Als noch unter der alten US-Regierung von Ländern wie Deutschland mehr gefordert wurde, ließ die deutsche Regierung wissen, eine signifikante Ausweitung der deutschen Mission – sei es quantitativ durch mehr Soldaten oder qualitativ durch Kampfeinsätze in den gefährlichsten Gegenden – sei ausgeschlossen. Bis heute ist das die deutsche Position. Dahinter steht das durchaus stichhaltige Argument, dass viel mehr in Deutschland politisch nicht durchsetzbar ist. Dennoch wird sich der Streit unter den Nato-Partnern jetzt verschärfen, schon weil Obama für die Europäer in dieser Hinsicht ein schwieriger Partner ist. Er gibt dem Krieg in Afghanistan Priorität, er will 30 000 zusätzliche US-Soldaten entsenden, und er plant anders als im Irak nicht etwa den Abzug, sondern ein langfristiges Engagement. Die Nato-Partner, vor allem Deutschland und Frankreich, sollen nach seinem Willen mehr Verantwortung übernehmen. Obama wird sich nicht so leicht abwimmeln lassen. Spätestens nach der Bundestagswahl wird Washington den Druck auf Berlin erhöhen; Deutschland steht eine schwierige Debatte bevor. Doch die Frage der Truppenkontingente, so kontrovers und wichtig sie ist, ist nur ein Randaspekt einer viel bedeutenderen Debatte, die bis heute nicht geführt worden ist: Was genau soll in Afghanistan eigentlich erreicht werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Nato-Truppen wieder abziehen können? Das nämlich haben die Kriege in Afghanistan und im Irak bei allen Unterschieden gemeinsam: Nur der Regimesturz war als Kriegsziel definiert; für die Zeit danach gab es keine Strategie. Deshalb gibt es bis heute keinen „Sieg“ in Afghanistan, und das wird so bleiben. Denn die Hoffnung, dass dem Sturz der Diktatoren und Despoten quasi automatisch eine bessere, friedlichere Zeit folgen würde, war von Anfang an unrealistisch. Es ist längst überfällig, die Kriegsziele neu zu definieren, realistische Erwartungen zu setzen, regionale Realitäten zu akzeptieren und die schwierigen Nachbarn Afghanistans einzubinden. Was die Kritiker im Irak früh erkannten, haben sie in Afghanistan lange übersehen: Man führt bis heute einen Krieg mit offenem Ende. (Von Markus Günther) Quelle: www.maerkischeallgemeine.de |
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