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03.03.09 - Der US-Präsident Barack Obama geht auf Distanz zu seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai. Die Skepsis in Washington rührt aus der Sorge darum ,dass die finanziellen wie militärischen Anstrengungen in Afghanistan vergeblich gewesen sein könnten. Darüber hinaus kritisieren die USA, dass Karsai die Korruption in seinem Land dulden würde.
Noch haben die USA ihren Verbündeten am Hindukusch nicht fallen lassen. Die Anzeichen für eine langsame Demontage des afghanischen Präsidenten häufen sich aber in Washington. Präsident Barack Obama geht demonstrativ auf Distanz. Regierungsvertreter kritisieren offen Korruption, Inkompetenz und Drogengeschäfte in Hamid Karsais Regierung. Der Mann in Kabul revanchiert sich mit Eigenmächtigkeiten wie der einseitigen Vorverlegung des Wahltermins, der die USA verärgerte. Misstrauen zerfrisst die alte Partnerschaft, dabei sind beide Seiten aufeinander angewiesen.
„Präsident Obama und seine Berater haben sich dermaßen deutlich von Karsai distanziert, als sei er auf dem Mond“, beobachtet der Kolumnist Jim Hoagland von der „Washington Post“. David Markey vom Washingtoner Council on Foreign Affairs urteilt: „Wir erleben, wie sich die Beziehungen abnutzen und wie das Misstrauen auf beiden Seiten wächst.“ Obamas Regierung behandelt Karsai wie eine Altlast aus dem giftigen Erbe seines Vorgängers George W. Bush. Einfach ignorieren kann sie ihn aber nicht, schließlich betrachtet Obama die Stabilisierung Afghanistans als sein wichtigstes außenpolitisches Anliegen.
Washingtons Skepsis ist getrieben von der Sorge, dass die finanzielle und militärische Kraftanstrengung der USA in Afghanistan vergeblich sein könnte, wenn Karsai nicht bald die politischen Rahmenbedingungen verändert. Die Taliban sind auf dem Vormarsch, Karsais Machtbereich reicht nicht mehr weit über Kabul hinaus. Der afghanische Präsident duldet nach Einschätzung der USA eine Korruption, die Wirtschaft und Staat auszuhöhlen droht. Außerdem ist Afghanistan unter Karsais Regierung wieder zum weltgrößten Opium-Produzenten aufgestiegen.
Die Stimmung ist gereizt. In undiplomatischer Offenheit befand Obama kürzlich über Karsai und die afghanische Führung: „Die Regierung scheint nicht viel von dem mitzubekommen, was im Land vor sich geht.“ Karsai feuerte verärgert zurück: „Vielleicht hat die neue US-Regierung noch nicht alle Informationen bekommen“, sagte er auf CNN – und äußerte die Hoffnung, dass sich in Obamas Regierung bald „besseres Urteilsvermögen“ einstellen möge.
Es ist freilich nicht allein Obama, der Karsai als Problem ausgemacht hat. Der US-Geheimdienstkoordinator Dennis Blair legte kürzlich einen Bericht mit vernichtenden Befunden vor: Karsais Regierung habe ihr Ansehen verloren, weil sie zutiefst korrupt sei und nicht einmal staatliche Grundaufgaben wahrnehmen könne. „Die Korruption überschreitet jedes kulturell annehmbare Maß und untergräbt die Legitimität der Regierung“, befand Blair. „Der Drogenhandel ist eine wichtige Einnahmequelle für korrupte Beamte.“
Angesichts der desolaten Lage in Afghanistan haben die USA inzwischen offiziell die Zielmarke ihres Einsatzes herabgesetzt. Es geht ihnen dort gar nicht mehr um die Errichtung einer beispielhaften Demokratie, sondern nur um eine Stabilisierung, damit Afghanistan nicht wieder zum Unterschlupf für Terroristen wird. Verteidigungsminister Robert Gates gibt mittlerweile unumwunden zu: „Wenn wir uns das Ziel setzen, in Afghanistan eine Art zentralasiatisches Walhalla zu errichten, dann werden wir scheitern.“ Doch selbst die bescheideneren Ziele sind nur zu erreichen, wenn die USA an der Spitze Afghanistans einen verlässlichen Verbündeten haben. Die Unterstützung für eine weitere Amtszeit Karsais nach der kommenden Wahl – ob sie nun im April oder August stattfindet – hat Obama bisher sorgsam vermieden. Ein Nachfolger ist bislang aber noch nicht in Sicht. Letzten Endes könnte Obama mit leeren Händen dastehen, warnt Kolumnist Hoagland. Das Risiko für Obama sei, „dass er Karsai komplett unterminiert, bevor eine glaubwürdige Alternative aufgebaut und etabliert werden kann." Quelle: gxs/AFP |