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Afghanistan – Selbstmordanschlag vor NATO-Hauptquartier |
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Monday, 17 August 2009 |
17.08.09 - Die Taliban haben in Afghanistan einen Selbstmordanschlag auf das NATO-Hauptquartier verübt. Bei dem Anschlag sind sieben Menschen ums Leben gekommen, knapp 100 wurden verletzt. Unterdessen hat der afghanische Präsident Hamid Karsai seine Landsleute dazu aufgerufen, sich am Donnerstag an der Wahl zu beteiligen.
Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben die Taliban mit einem Selbstmordanschlag vor dem Nato-Hauptquartier in Kabul die Angst in der Bevölkerung geschürt. Der Attentäter sprengte sich im schwer bewachten Diplomatenviertel in einem Auto in die Luft und riss sieben Afghanen mit in den Tod. Knapp 100 Menschen wurden verletzt, wie das afghanische Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte. Unter den Verletzten sind neben vielen Zivilisten auch mehrere Isaf-Soldaten. Afghanistans Präsident Hamid Karsai verurteilte das Attentat und rief seine Landsleute auf, ungeachtet der Gewalt sich am Donnerstag an der Wahl zu beteiligen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierte Karsai und bekräftigte das deutsche Engagement am Hindukusch.
Zu dem Anschlag in der Hochsicherheitszone bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Ziel sei eigentlich die nahe gelegene US-Botschaft gewesen, der Angreifer habe aber nicht bis dorthin vordringen können, sagte ein Sprecher der Rebellen der Agentur Reuters über Satellitentelefon. Die Islamisten haben zum Boykott der Wahl aufgerufen und ihre Angriffe verstärkt. Am Sonntag warnten die Taliban die Bevölkerung erneut vor Anschlägen auf Wahllokale und ausländische Soldaten.
„Die Feinde Afghanistans versuchen während des Wahlkampfs, in der Bevölkerung Angst zu schüren“, erklärte Karsai. „Aber die Menschen wissen ganz genau, wie wichtig es ist, ihre Stimme abzugeben.“ Bei der Wahl geht Karsai als Favorit ins Rennen. Angesichts Dutzender Herausforderer könnte er allerdings in der ersten Runde die absolute Mehrheit verfehlen. Dann käme es in sechs Wochen zu einer Stichwahl.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in ihrem Kondolenzbrief an Karsai von einem „mörderischen Anschlag“ und versicherte ihm weitere Unterstützung im Ringen um eine demokratische Ordnung zu: „Gemeinsam mit seinen Partnern wird Deutschland Ihrem Land auch weiterhin nach Kräften beim Wiederaufbau und der Herstellung der dafür notwendigen Sicherheit zur Seite stehen.“
Auch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) unterstrich die Entschlossenheit Deutschlands bei der Bekämpfung der Taliban. „Unsere Antwort auf diesen Anschlag lautet: Wir werden im Kampf gegen den Terrorismus nicht nachlassen, wir werden nicht weichen“, sagte Jung der „Welt am Sonntag“. Der Minister räumte ein, dass der Anschlag „die Gefährlichkeit, aber auch die Brutalität der Taliban unter Beweis“ stelle.
Täter wurde von Polizei an Kontrollposten gestoppt
Der Attentäter gelangte mit seinem Wagen unbehelligt durch zwei kleinere Kontrollpunkte in dem Diplomatenviertel Wasir Achbar Chan, ehe er offenbar den falschen Weg einschlug und an einem strenger bewachten Posten angehalten wurde. Er sei in das Verteidigungssystem eingedrungen und von der Polizei gestoppt worden, sagte ein Sprecher der Isaf-Truppe. Dann habe sich der Attentäter entschieden, die Autobombe zu zünden.
Am schwersten betroffen von der Wucht der Explosion war das Verkehrsministerium. Dort wurden Dutzende Mitarbeiter durch herumfliegende Glassplitter verletzt. Vor dem Nato-Hauptquartier, das in der selben Straße wie die US-Botschaft liegt, lagen die Reste eines in Stücke gerissenen Wagens und weitere Auto-Wracks. Eine gegenüberliegende Schutzmauer wurde schwer beschädigt. Rauch lag über dem Tatort.
Es war der erste Selbstmordanschlag in Kabul seit dem Attentat auf die deutsche Botschaft im Januar, bei dem vier Zivilisten und ein US-Militärangehöriger ums Leben kamen. Im Februar griffen Taliban-Kämpfer mehrere Regierungsgebäude an und töteten dabei 19 Menschen. Die afghanische Hauptstadt liegt zudem immer wieder unter Raketenbeschuss.
Bundeswehrsoldat bei Angriff auf Patrouille verletzt
Die Taliban wollen die Wahl verhindern und haben dazu ihre Angriffe im Süden und Osten auch auf den Norden und Westen Afghanistans ausgedehnt. Zur Absicherung des Urnengangs sind die internationalen Truppen verstärkt worden. Das Bundeswehrkontingent wurde im Frühjahr um 600 auf 4200 Soldaten aufgestockt. Bei einem Überfall auf eine deutsche Patrouille wurde am Samstag ein Soldat leicht verletzt. Die Soldaten seien sechs Kilometer südwestlich vom Stützpunkt in Kundus angegriffen worden und hätten das Feuer erwidert, teilte die Bundeswehr mit.
Gewalt und Einschüchterung haben nach Angaben der Vereinten Nationen im Süden bereits die Planung der Wahl und den Wahlkampf gestört, was viele Afghanen davon abhalten könnte, ihre Stimme abzugeben. Die Abstimmung gilt auch als Bewährungsprobe für die neue Strategie von US-Präsident Barack Obama, der Tausende zusätzliche Soldaten an den Hindukusch entsandt hatte, um dort doch noch einen Sieg zu erreichen. Quelle: gxs/Reuters |