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Presseerklärung: Hafenpolizist sticht mit Messer auf 14 jährigen afghanischen Flüchtling ein Drucken E-Mail
Monday, 12 November 2007

08.11.2007 Patras: Hafenpolizist sticht mit Messer auf 14 jährigen afghanischen Flüchtling ein

Am Donnerstag den 8. November 2007 hat eine Delegation des Netzwerkes
sozialer Unterstützung für Flüchtlinge und Migrantinnen Athen die
informelle Siedlung afghanischer Flüchtlinge in Partas besucht in der
zur Zeit mehrere hundert Flüchtlinge leben. Das selbstorganisierte
Transitlager ist nur wenige Minuten Fussmarsch vom Hafen entfernt, von
dem aus die Flüchtlinge versteckt auf LKWs in eine erhoffte bessere
Zukunft im Norden Europas aufbrechen.

Das Risiko ihr Leben auf dem Weg
zu lassen erscheint vielen als das geringere Übel im Vergleich zu der
permanenten Bedrohung in ihrem Heimatland und der niedrigen
Asylanerkennungsrate in Griechenland (geringer als 1 %! Siehe Bericht
des UNHCR). Die Delegation besuchte sowohl das Rote Kreuz, die einzige
Einrichtung vor Ort, die den Flüchtlingen Unterstützung anbietet, als
auch die Flüchtlingsiedlung selber um sich über die aktuelle Lage zu
informieren.

Sogleich nach unserer Ankunft wurden wir mit einem brutalen Vorfall
konfrontiert, der am selben Morgen erst stattgefunden hatte. Ein 14
jähriger minderjähriger Afghane wurde von einem Hafenpolizisten mehrmals
mit einem Messer attackiert und verletzt. Der Junge hatte sich in den
frühen Morgenstunden des 08.11. unter einem LKW versteckt um so heimlich
mit dem Schiff nach Italien einzureisen. Während einer Routinekontrolle
der Hafenpolizei entdeckte ein Beamter in Uniform den Jungen und stach
aus unbekannten Gründen mit dem Messer auf seinen Körper ein. Nachdem
der Minderjährige vor Schmerz laut aufschrie stach der Beamte den Jungen
beschimpfend noch weitere drei Mal zu.

Der 14 Jährige wurde mit vier Messerstichen in Rücken, Hüfte und Beinen
ins Krankenhaus
 /Ag. Andreas/ eingeliefert, wo seine Wunden genäht und
versorgt wurden. Nur kurze Zeit nach der Einlieferung des minderjährigen
Unbegleiteten Flüchtlings versuchte die Delegation aus Athen ihn zu
besuchen und stellte dabei fest, dass sich ein Beamter der Hafenbehörde
im Krankenzimmer des Jungen befand und ihn trotz unserer Einwände
aufgrund der Gesundheitssituation dessen mindestens eine Stunde lang
verhörte. Während des Verhörs telefonierte der Beamte öfters mit seinen
Vorgesetzten weiterhin ohne jeglichen Respekt für den schlechten
Gesundheitszustand des Verletzten aufzuzeigen. Erst nach Beschwerden
unsererseits über das Verhören eines Frischverletzten Jugendlichen, der
noch unter Schock stand, wurde das Krankenhauspersonal auf die Situation
aufmerksam und informierte den Juristen des Krankenhauses.

Die Anwesenheit der Delegation störte offentsichtlich die Beamten, die
mit der Androhung von Festnahme auf jegliches Zuwiederhandeln gegen das
Verhör reagierten. Später erfuhren wir, dass auch der zuständige
Jugendrichter sich nicht für den Fall interessiert hatte.

Das Netzwerk sozialer Unterstützung für Flüchtlinge und Migrantinnen
Griechenland hat die Daten des minderjahrigen Opfers und der Tatzeugen.

Wir fordern jetzt:

· Sofortigen Schutz für den minderjährigen Flüchtling und seine
unmittelbare Anerkennung als politischer Flüchtling.

· Die Verhinderung jeglichen Versuches der Tatverschleierung, der
Tatvedeckung und der Zurückhaltung von Beweismitteln.

· Den sofortigen Zeugenschutz um deren Sicherheit zu gewährleisten und
somit auch ihre Aussagen für die Wahrheitsfindung sicherzustellen.

· Das Krankenhauspersonal vor jedem möglichem Druck von außen zu schützen.

· Das die Veröre der Zeugen und des Opfers sofort der in den Fall
verwickelten Hafenbehörde entzogen und einem unabhängigen Amt übertragen
werden.

· Die grundsätzliche Untersuchung und generelle Kontrolle der Handlungen
der Hafenbeamten von Patras und ihrer Haltung gegenüber Flüchtlingen, da
eine Menge ähnlicher Fälle bekannt sind und weitere Anklagen existieren.

· Die sofortige Bekanntgabe des Namens vom Täter Hafenbeamten für die
weiteren Ermittlungen, und eine eingehende Untersuchung von dessen
Verwicklung in weitere Fälle von Übergriffen gegenüber Flüchtlingen.

* Eine weitere interne Scheinuntersuchung für die Augen der Gesellschaft
reicht uns nicht!*

*Wir fordern die sofortige Beendigung des "Krieges" gegen die
Flüchtlinge von Patra!*

*Die Polizeigewalt und Folter von Flüchtlingen müssen aufhören!*

Netzwerk sozialer Unterstützung für Flüchtlinge und Migrantinnen Athen,
Griechenland.

 
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