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Wenn VIPs auftauchen, müssen Soldaten warten Drucken E-Mail
Thursday, 06 December 2007

Die diesjährige Bilanz des Nato-Einsatzes in Afghanistan fällt sehr gemischt aus.

BRÜSSEL 05.12.2007:Wenn die Außenminister der Nato-Mitgliedstaaten morgen, Freitag, in Brüssel zu ihrer traditionellen Herbsttagung zusammenkommen, wird ihre Bilanz des Afghanistan-Einsatzes der Allianz sehr gemischt ausfallen.

Die Fortschritte, die in diesem Jahr gemacht wurden, waren eher bescheiden. Und in den ersten elf Monaten des Jahres kamen über 240 ausländische Soldaten in Afghanistan ums Leben. Immerhin, heißt es in Brüssel: Es hätte noch viel schlimmer kommen können.

So machen Nato-Vertreter in Brüssel kein Hehl daraus, dass die innenpolitischen Entwicklungen in Pakistan im Herbst von der Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) mit allergrößter Sorge verfolgt wurden. Denn: Das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet ist Rückzugs-, Rekrutierungs- und Erholungsraum der aufständischen Taliban.

Hätte die pakistanische Armee Truppen aus diesem Gebiet abziehen müssen, um Musharraf-kritische Proteste in großen pakistanischen Städten einzudämmen, hätte das den Taliban und anderen extremistischen Gruppen neuen Elan geben können. Auch auf neue Flüchtlingsbewegungen im Grenzgebiet richtete sich Isaf ein. „Gott sei Dank“, sagt ein Afghanistan-Experte der Nato, „dieses Horrorszenario ist nicht eingetreten.“

Auch die zu Beginn des Jahres von der Nato erwartete Großoffensive der Taliban gegen die Nato-Kräfte hat es nie gegeben: „Vielleicht haben wir die militärischen Fähigkeiten der Taliban zur Durchführung einer groß angelegten Operation einfach überschätzt“, heißt es in der Nato-Zentrale.

 

Verschmelzung der Missionen?

Zumindest die USA melden auch, dass bei der Ausbildung der afghanischen Armee etwas weitergegangen sei. Die Hälfte des militärischen Afghanistan-Engagements der USA im Rahmen der Isaf-Mission und der eigenen Anti-Terror-Einsatz „Enduring Freedom“ mache inzwischen Ausbildung und Training der afghanischen Streitkräfte aus.

Mittelfristig, so heißt es in Brüssel, würde die Nato-geführte Isaf-Mission und die US-geführte „Enduring Freedom“-Operation wohl verschmolzen werden. Die operative Zusammenarbeit zwischen beiden Missionen sei schon jetzt sehr eng, ebenso wie der Austausch von Informationen der militärischen Aufklärung. „Eher früher als später wäre deshalb eine Verschmelzung wohl das Beste“, sagt ein Nato-Experte.

Aber länger noch als die diesjährige Habenseite des Nato-Einsatzes ist die Sollseite. In den vergangenen zwei Jahren wurden bei Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan über 10.000 Menschen getötet. Besonders schwer wiegt, dass bei Nato-Kampfeinsätzen gegen Taliban immer wieder Zivilisten ums Leben kommen. Dies, obwohl den Einsatzbefehlshabern wieder und wieder eingebläut wird, die Zivilbevölkerung möglichst zu schonen. Auch wenn es zu keinem Großangriff der Taliban gegen die Isaf-Truppen kam, haben die Angriffe und Hinterhalte in diesem Jahr in einigen Regionen Afghanistans doch um über 30 Prozent zugenommen.

 

Permanente Nadelstiche

Die ständigen größeren und kleineren Nadelstiche führten dazu, dass zahlreiche Wiederaufbauprojekte, die die Nato parallel zu den Militäroperationen unterstützt und absichert, verzögert wurden oder überhaupt nicht vorangekommen sind. Immerhin, rund 14.000 solcher Wiederaufbau-Projekte gibt es im ganzen Land.

Dass es auch sonst nach wie vor an vielen Dingen mangelt, wird in Brüssel nicht verschwiegen. Vor allem über fehlende Lufttransportkapazitäten wird nach wie vor Klage geführt. Dieses Problem ist aber teilweise hausgemacht, wie ein Nato-Beamter zugibt. Zum Teil fehlten die Transporthubschrauber für wichtige Einsätze, weil die Helikopter gerade irgendwelche VIPs aus Nato-Staaten durchs Land „kutschieren“ müssten.

Quelle: Die Presse

 
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