Bundesregierung verzichtet auf schwere Waffen in Afghanistan
Freitag, 26 Juni 2009
24.06.09 - Nach dem Tod dreier Soldaten will die Bundesregierung die Bundeswehr nicht aufrüsten. Der Bundeswehrverband hatte dies zum Schutze der Soldaten gefordert

Der Tod von drei Soldaten bei einem Angriff der Taliban in der Region Kundus am Dienstag hat die Diskussion um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan neu entfacht. So forderte der Bundeswehrverband eine bessere Ausrüstung für die in Afghanistan stationierten Soldaten. Doch die Bundesregierung will dort keine schwereren Waffen einsetzen.

Dann könnten zivile Opfer nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Auch eine Verlegung des Kampfpanzers Leopard II wäre das falsche Signal an die afghanische Bevölkerung, sagte er. Außerdem hätten die militärischen Verantwortlichen vor Ort solche Waffen nicht angefordert.

In der zunehmenden Anzahl der Gefechte, in die deutsche Soldaten verwickelt werden, sieht das Ministerium den Versuch der Aufständischen, die Stimmung in Deutschland vor der Bundestagswahl zu beeinflussen. Auch die für den 20. August geplante Präsidentenwahl in Afghanistan spiele eine Rolle, hieß es. Zuletzt seien verstärkt Kämpfer aus Pakistan in die Region Kundus eingesickert, um die Truppen dort in Gefechte zu verwickeln, sagte der Sprecher. Die Bundeswehr werde sich jedoch nicht einschüchtern lassen.

Dem Bundeswehrverband zufolge wäre es hilfreich und "zum Schutze der Soldaten wünschenswert, wenn sie nicht erst von ihrem Dingo oder Fuchs absitzen müssen, mit Gewehr in Stellung gehen und dann zurückschießen, sondern Gefechtsfahrzeuge wie die Panzerhaubitze 2000 oder den Schützenpanzer Marder hätten, um aus größerer Distanz schießen zu können", sagte Verbandssprecher Wilfried Stolze dem Tagesspiegel.

Bei neuen Gefechten kamen mindestens 30 Kämpfer der radikal-islamischen Taliban ums Leben. Wie die Internationale Schutztruppe Isaf mitteilte, wurden in der südlichen Unruheprovinz Kandahar 25 Aufständische getötet, als Soldaten mehrere Taliban-Stellungen angriffen. In der Provinz Farah im Westen des Landes sei bei einem Militäreinsatz ein Taliban-Kommandeur erschossen worden, der für zahlreiche Bombenanschläge in der Region verantwortlich gemacht wird, hieß es weiter. In der südlichen Provinz Sabul starben nach Polizeiangaben zudem vier Extremisten und zwei afghanische Geheimdienstoffiziere bei Gefechten.

Quelle: zeit.de